John Frusciante

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Reviews John Frusciante

The EmpyrianThe Empyrean

In Gitarrenpsychedelikerkreisen sind auf dem Cover zum Tonträger mitgelieferte "Gebrauchsanweisungen" nichts Ungewöhnliches. Insofern sind auch die Anmerkungen JohnFrusciantes, "'The Empyrean' should be played as loud as possible and it is suited to dark living rooms late at night" nicht weiter verwunderlich.

Nun denn, wer bin ich schon, dass ich mich den Anweisungen des Meisters widersetzte ... Licht aus, Lautstärke fein aufgedreht, Kopfhörer auf, Play. "Before The Beginning".
 
Aus seinem Grabe erhebt sich Ed Hazel, ehemals Gitarrengott in Diensten von Funkadelic (Parliament) und spielt die ersten gezogenen Noten von Maggot Brain, bis sich die Lichtgestalt sogleich in JF verwandelt, der mit Hazels Morley Hall-Wah-Pedal bewaffnet eine neue Interpretation einbringt. Diesem formidablen 9:09 Minuten-Flashback-Intro folgt eine weitere neun Songs (in Japan: elf) lange Astralreise durch das Frusciantesche Freakuniversum, die, wie so häufig bei seinen Platten, seine Fans in Verzückung versetzen, dem Rest der Welt jedoch eher ein gleichgültiges Achselzucken wert sein dürfte.
Zeitgemäß ist das nicht gerade, was der begnadete Instrumentalist John und der inbrünstige Sänger Frusciante hier einmal mehr aus seinem enormen Kreativfundus zaubert. Seiner bereits vielfach öffentlich geäußerten Vorliebe für Krautrock folgend entfaltet Frusciante mit "The Empyrean" ein Konzeptalbum, das unzeitgemäßer, ernsthafter, krautiger und epischer kaum sein könnte.

Eine fast schon religiös zu nennende Stimmung geht von der Platte. "God", "Heaven", "Unreachable", "After The Ending" - hier geht es ganz offensichtlich um die großen, die ganz großen Themen. Leben, Erkenntnis, Tod. Leichte Kost ist das nicht. Auch für Frusciantes Verhältnisse nicht.

Dementsprechend bewegt sich "The Empyrean" musikalisch in eher langsamerem Fahrwasser, die Songs sind fast durchweg Midtempo, lediglich "God" und "Central" erhöhen teilweise die Schlagzahl ein wenig. Dennoch wirkt "The Empyrean" jederzeit auf seine eigene, ruhige Art und Weise sehr intensiv und ist bei aller Schwere gleichzeitig sehr luftig und unverkrampft.

Und birgt Song für Song überraschende Momente und Wendungen. So beispielsweise in "Dark Light", in dem aus einem ganz sachte vorgetragenen Pianostück nach und nach ein von Chören und Bass getragenes Hippiemusical entsteht. Das ist zwar ein wenig strange, aber gleichzeitig auch sehr interessant.

Die vielschichtige Produktion wurde offensichtlich mit sehr viel Herzblutdurchgeführt. Für ein Soloalbum eines ausgewiesenen Gitarrengottes sind erstaunlich wenig Gitarrensoli und ähnliches zu finden. Vielmehr kommen verstärkt Synthieflächen, Streicher, E-Pianos oder auch charmant verstecktes Electrogeplucker zum Einsatz. Natürlich wird auch die Sechssaitige gespielt, aber im Gegensatz zu den meisten Fruscianteproduktionen eher als gleichberechtigtes und nicht dominantes Instrument.

Immerhin ist sein Gesang auch hier wieder ein ebenso unverkennbares Markenzeichen wie sein virtuoses Gitarrenspiel. Kopfstimme, Falsett, Rockröhre, die Facetten seinesr Stimme sind immer wieder überraschend und geradezu unglaublich variabel. In "One More Of Me" gibt es dann sogar einen ganz neuen John zu hören, der eine Oktave tiefer als sonst beinahe wie ein anderer Sänger klingt. Erstaunlich.

Im Durchlauf ist "The Empyrean" trotz sehr ausgereifter Produktion sicher nicht das am leichtesten zugängliche Werk Frusciantes. Zu sehr spürt man an jeder einzelnen Stelle des Albums die Ernsthaftigkeit und das Bemühen. Es ist eben ein typisches Konzeptalbum.

Doch hat man ein wenig Geduld und Muße und folgt womöglich gar den Höranweisungen, entfaltet die Platte eine ganz starke Wirkung und entführt den Hörer für eine Weile in ein anderes Universum, das ein wenig verschwurbelt und von großer Schönheit ist. Also: Licht aus! Volume hoch! Kopfhörer auf! Die Astralreise kann beginnen.

TRACKLIST

Before The Beginning
Song To The Siren
Unreachable
God
Dark/Light
Heaven
Enough Of Me
Central
One More Of Me
After The Ending

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