Biografie
Biografie
Die aktuelle Biografie von John Frusciante kannst du hier auf der deutschsprachigen Webseite lesen.
Sein größtes Verdienst ist wahrscheinlich, dass er die Red Hot Chili Peppers wieder zusammengebracht und zum größten Erfolg ihrer Geschichte geführt hat – wenn man das mal so salopp sagen darf. Denn als JOHN FRUSCIANTE für das Album „Californication“ zur Funkrock-Band aus L.A. zurückgekehrt war, begann ihr unaufhaltsamer Aufstieg nach einer Reihe von Komplikationen und drogenbedingten Unpässlichkeiten. Aber nicht nur als Peppers-Gitarrist zählt FRUSCIANTE zu den besten, auch sein Solowerk verdient einen Ehrenplatz in der jüngeren Rockgeschichte. Dass es sich – anders als die Chili Peppers – eher sperrig gibt und sich weit abseits des Mainstreams bewegt, zeichnet ihn als höchst eigenständigen Musiker aus, der nach einer bewegten Geschichte zu seiner wahren Künstlerseele gefunden hat. JOHN FRUSCIANTE ist eigentlich mehr als „nur“ ein Musiker, er ist ein Philosoph auf sechs Saiten.
Wir erinnern uns: Nachdem der Peppers-Gitarrist Hillel Slovak 1988 an einer Überdosis verstorben war und die Band zunächst erfolglos nach einem passenden Nachfolger gesucht hatte, war FRUSCIANTE das seltene Glück beschieden, bei seiner Lieblingsband als Gitarrist einsteigen zu können. Und es war wohl bereits seinem gitarristischen Charisma zu verdanken, dass die Peppers mit „Blood, Sugar, Sex, Magik“ (1991) ihren definitiven Durchbruch feiern konnten, denn FRUSCIANTEs Gitarre gliederte sich so perfekt in den Sound Kiedis’, Fleas und Smiths ein, dass das Album ein Meilenstein der Rockmusik wurde. Leider war FRUSCIANTE, der zudem um einige Jahre jünger als der Rest der Band war, der nervenzerreißenden Anstrengung des monatelangen Tourens mit einer der Top-Bands der frühen Neunziger nicht gewachsen. 1992 verließ er die Band und verschwand von der Bildfläche, während die Peppers wieder vor ihrem alten Problem standen: den perfekten Gitarristen nicht finden zu können.
Was nun kam, befindet sich weitgehend im Dunkeln. Gerüchte von schwerster Drogenabhängigkeit, Obdachlosigkeit und Depressionen umgaben den Namen FRUSCIANTE, und die Rockwelt hatte ihn bereits aufgegeben. Allerdings spielte er zwei Solo-Alben ein, die zu Zeugnissen einer handfesten Lebenskrise wurden: Niandra La Des and Usually Just A T-Shirt (1995) und Smile From The Streets You Hold (1997) waren zwar ungemein intensive, aber auch vollkommen zerrissene Alben, die dem Begriff ‚Lo-Fi’ kaum noch gerecht wurden. Aber schließlich zeigte sich Licht am Ende des Tunnels, und als Flea John in LA auftrieb, nahm er ihn kurzerhand mit in das Peppers-Studio, wo es mit Star-Producer Rick Rubin an die Produktion von „Californication“ ging. Der Rest ist Geschichte: „Californication“ (1998) wurde noch größer als „Blood, Sugar, Sex, Magik“, bereitete den Supererfolg von „By The Way“ (2002) vor und führte zum bisher erfolgreichsten Chili Peppers-Album „Stadium Arcadium“ (2006), auf dem die Band sich als untrennbar miteinander verbundene Einheit zeigte – und FRUSCIANTE das immense Spektrum seines Könnens voll auslebte.
Schon nach „Californication“ entwickelte FRUSCIANTE eine schier unaufhaltsame Kreativität: 2001 erschien zunächst To Record Only Water For Ten Days, ein Gänsehaut-erzeugendes Album äußerster Intensität, das FRUSCIANTE auf einem Vierspur-Recorder in Wohn- und Hotelzimmern aufgenommen hatte. Hier ließ er seiner Seele, seiner Sensibilität und seiner freischwebenden Phantasie auf Albumlänge freien Lauf und präsentierte ein mutiges Album, auf dem er mit Formen des Songwritings experimentierte. Das Album zeichnete zudem viele Stilmittel und Kompositionstechniken vor, die direkten Einfluss auf die weitere Entwicklung der Peppers hatten.
Von nun an widmete der inzwischen clean und vegan lebende FRUSCIANTE seine Kraft ganz der Musik. In den Jahren 2004/2005 überraschte er mit einer Reihe von Alben, die innerhalb weniger Monate in wechselnder Besetzung eingespielt und im Zeitraum von etwa anderthalb Jahren veröffentlicht wurden.
Im Februar 2004 kam zunächst Shadows Collide With People, das FRUSCIANTE ebenfalls fast im Alleingang produziert und eingespielt hatte, und auf dem er seiner erwachten Liebe für den Krautrock a la Neu und Michael Rother frönte.
Das zweite Album der Reihe erschien kurz darauf unter dem Projektnamen ATAXIA und trug den Titel Automatic Writing. Ebenfalls explizit unter dem Einfluss rauer Krautrock-Strukturen entstand das Album zusammen mit Fugazi-Bassist Joe Lally und Josh Klinghoffer innerhalb weniger Tage. Schon im Titel den Bezug zur surrealistischen Technik der Ecriture Automatíque, dem automatischen Schreiben, verpflichtet, lotete Automatic Writing sehr fruchtbar die Möglichkeiten der Improvisation aus, die sich zwar Zeit lässt, aber niemals willenlos aus der Form gerät. Im Herbst 2004 erschien die DC EP. Ähnlich wie To Record Only Water... ist FRUSCIANTE wieder im Alleingang zu hören, einzig Jerry Busher (Fugazi, Trans Am) begleitete ihn an den Drums.
Vor allem mit Josh Klinghoffer ging FRUSCIANTE eine fruchtbare musikalische Partnerschaft ein. Zu zweit spielten sie das Album The Will To Death in fünf Tagen auf einer 16-Spur Bandmaschine ein. „Wenn man ein Album schnell aufnimmt, heißt das für mich, dass es lebendig wird,“ so FRUSCIANTE zur Arbeit im Studio. „Wenn man ohne feste Vorstellungen an ein Album herangeht und die Musik fließen lässt, wie es ihr gefällt. Und wenn man Fehler macht, dann sollte man sie begrüßen und in das Konzept mit einfließen lassen“. Als Einflüsse nennt er Laurie Anderson, Eno, Velvet Underground, Talking Heads und andere.
Ebenfalls mit Klinghoffer und Techniker Ryan Hewitt entstand Inside Of Emptiness, ein rauer, unbehauener Stein, in dem sich edelste Erze des Songwritings befinden. Die Einflüsse für das Album schlagen nach FRUSCIANTE die Brücke von Empire (ein relativ unbekannter Nachfolger von Gen X) über Rick James bis Aleister Crowley.
Auch A Sphere In The Heart Of Silence ist eine lupenreine Klinghoffer/FRUSCIANTE-Koop und erschien im November 2004. Wieder dekonstruiert das Duo klassische Songstrukturen und gibt sich ungewöhnlich Keyboard-lastig. Und zum ersten Mal ist Klinghoffer als Sänger zu hören. Als vorerst letztes Album in der Reihe kam Anfang 2005 das Album Curtains, auf dem FRUSCIANTE wieder im Bandformat zu hören ist. Zur Band gehörten At The Drive-Inn / The Mars Volta-Gitarrist Omar Rodriguez, Ken Wild (Bass) und Carla Azar (Drums). Musikalisch dominiert klassisches und melodiöses Songwriting, das zu einigen der besten Kompositionen FRUSCIANTES führt.
In den letzten Jahren konzentrierte FRUSCIANTE sich vor allem auf die Arbeit mit den Red Hot Chili Peppers, die mit „Stadium Arcadium“ 2006 ihr bislang erfolgreichstes Album ablieferten. Aber die Kreativität und Ideenfülle JOHN FRUSCIANTEs ist unberechenbar, und man muss jederzeit mit neuen Experimente und großartigen Songs aus seiner Feder rechnen.
